Kletterzentrum Saarbrücken
Es sind nun schon ein paar Monate vergangen, seit die gute alte Boulderhöhle in St. Ingbert im Sommer abgebaut wurde; vereinzelt lagen noch schrottreife Griffe im angeschlossenen Laden “Time to Climb” herum, Überreste einer Institution, die wohl jeden saarländischen Sportkletterer auf seinen ersten Schritten in der Vertikalen begleitet hat. Und nun ist schon wieder über ein Monat vergangen, seit die Boulderhöhle wiederauferstanden ist: das Kletterzentrum Saarbrücken hat nach vielen Terminverschiebungen zum Trotz aller Neider endlich seine Pforten geöffnet. Inzwischen war ich bereits einige Male dort zu Besuch, und deshalb wird es jetzt Zeit für einen eingehenden Bericht.
Erster Eindruck
Schon beim Betreten der Örtlichkeit ist offensichtlich, dass hier Profis am Werk waren: aufwändig konstruierte Kletterwände, herrliche Überhänge, traumhafte Strukturen, Risse und Spalten. Wer vorher wie so viele saarländische Kletterer in der Winterpause regelmässig gezwungenermaßen nach Zweibrücken ins Camp4 gefahren ist, kann sich angesichts der modernen Halle im Herzen Saarbrückens nur noch fragen, was er damals im Camp4 eigentlich wollte.
Wände
Anlass zu grosser Begeisterung bieten bereits die Wände selbst: hier ist so gut wie nichts rechtwinklig, die ganze Halle ist voller Überhänge, Strukturen, Einbuchtungen und Auswüchse. Augenscheinlichstes Merkmal dieses innovativen Konstruktionsprinzips ist der auffällige Turm in der Mitte der Halle. Und wer trotzdem mit der Wandkletterei noch nicht an seine Grenzen stösst, dem bietet sich eine adäquate Kraftprobe in Form des malerischen und insbesondere kletterbaren Daches.
Routen
Aber all die Lobhudelei kann über eines nicht hinwegtäuschen: die Routen selbst sind der Hammer. Hier wirkt keine Route so, als sei sie mal eben an die Wand geschraubt worden; jede einzelne Route (ab ca. 5-) hat eine eigene kleine Besonderheit, verlangt eine bestimmte Form der Technik und erhält somit einen besonderen Charme. Herausragendes Beispiel ist El Zecko an der Rückseite des Turms, technisch nicht besonders anspruchsvoll, aber dafür nur äusserst spärlich mit Griffen versehen: man behilft sich mit mehr oder weniger elegantem Geklammere am Turm selbst und einer gewissen Portion Gleichgewichtssinn. Mein persönlicher Liebling ist die Route Atlantis (6), bei deren Durchstieg ich die eigentümliche Empfindung tiefer Eleganz verspüre.
Schwierigkeitsgrade
Wer die Einstufung der Schwierigkeitsgrade aus anderen Hallen kennt, wird beim ersten Besuch vermutlich zunächst einmal einen kleinen Dämpfer erleben. Die Bewertungen sind eher konservativ, und was anderswo locker eine 7- sein könnte, ist hier eine 6-. Man merkt aber schnell was Sache ist, und im Gegensatz zu vielen anderen Hallen lohnt hier auch ein Besuch der unteren Schwierigkeitsgrade. Darüber hinaus findet sicher jeder Kletterer etwas für seinen Geschmack: von 3 bis 9- ist alles dabei, was man sich wünschen kann.
Boulderbereich
Nicht unerwähnt bleiben sollte der Boulderbereich, der zwar vom verfügbaren Raum im Vergleich zum Rest der Halle stark eingeschränkt wirkt, aber mit ausgefuchsten Routen von mittlerem bis hohem Schwierigkeitsniveau glänzen kann. Solang’s nicht regnet, kann man sowieso nach Kirkel fahren. Mein aktuelles Projekt und persönlicher Liebling ist die grüne Route (DS1? DS2?) beim Eingang gleich rechts um die Ecke. Ein moderater Sprung, ein schöner Zug mit Heel-Hook, hochdrücken, festhalten, und dann irgendwie zum Endgriff. Funktioniert alles wunderbar bis auf das “irgendwie zum Endgriff”. Ich halte euch aber über meine unfachmännischen Versuche am Ende des Klettertages, das Ding doch noch zu meistern, auf dem Laufenden.
Fazit
Damit ist wohl fürs Erste alles gesagt über dieses traumhafte Kletterkleinod mitten im Saarland. Die saarländischen Kletterer haben endlich ihre eigene Halle, und gerade in den kommenden Wintermonaten lohnt die Halle sicher auch einen Besuch von weiter ausserhalb.
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